Extrusion 8-2020

Was passiert, wenn Kunststoff von der Erde verschwindet? Was in der Vorstellung mancher Menschen durchaus Charme hätte, ist in der Realität eine Zukunftsvision, die unseren Alltag nachhaltig und zum Negativen verändert. Die Umwelt würde womöglich in mancher Hinsicht profitieren, die Menschheit müsste aber auf viele Errungenschaften verzich- ten. Im medizinischen Bereich wäre die Lage ohne Kunststoff so fatal, dass erstmals seit 1871 die Lebenserwartung sinken würde. Bei einem Online-Treffpunkt „Welt ohne Plastik“ des Kunststoff-Clusters wurde über die Szenarien und Lösungsvorschläge diskutiert. Schlussfolgerung P lastikprodukte sind außergewöhnlich haltbar, leicht formbar und extrem preiswert: Kein Wunder, dass sie sich deshalb seit ihrer Entdeckung auf einem globalen Siegeszug befinden. Rund 380 Millionen Tonnen Kunststoff produziert die Menschheit weltweit pro Jahr und sorgt damit für ein gesellschaftlich immer präsenter werdendes Müllproblem. Die Forderung, das Material sollte von unseren Planeten verschwinden, erscheint deshalb le- gitim. Bei der Veranstaltung des Kunststoff-Clusters nahmen Timna Reisenberger und Florian Kamleitner sowie drei Expert*innen die 93 Gäste auf eine fiktive Zeitreise mit und zeig- ten die Kehrseite der Medaille. 28 Zeitreise Kunststoff Extrusion 8/2020 Welt ohne Plastik – Zurück in die Vergangenheit Blick in die Glaskugel Die Welt im Jahr 2030: Lego-Land hat sich vom Vergnügungs- park in eine Gedenkstätte verwandelt. Von Europa in die USA geht es für „Normalsterbliche“ mit dem Schiff, Flüge mit den neuen Stratosphären-Shuttles kann sich kaum jemand leisten. Mobiltelefone liegen doppelt auf der Tasche: Teuer und schwer- gewichtig. Weil auch Autos sehr kostspielig geworden sind, fei- ert die Eisenbahn ein fulminantes Comeback. Auch auf dem Jobsektor sieht es durch das Verschwinden der Kunststoff-Her- steller düster aus. 90 Prozent der Facharbeiter mussten in eine andere Branche wechseln. Teleworking ist nicht mehr die Zu- kunft der Arbeitswelt sondern geriet durch das „Abrüsten“ im Mobilfunkbereich hoffnungslos ins Hintertreffen. Immerhin empfinden viele Menschen den neuen Alltag in Summe als an- genehm: Weniger Stress und Rückbesinnung zu bescheidene- rem Leben. „Was Verkehr und Kommunikation betrifft, würde der Verzicht auf Kunststoff zu einer Entschleunigung führen, was von der Gesellschaft als sehr angenehm empfunden wird.“ – Auszug aus dem Szenario „Welt ohne Plastik“, Timna Reisenberger, Projektassistentin Kunststoff-Cluster, Business Upper Austria, Linz Vom Müllproblem zur weltweiten Krise Auf einem OP-Tisch zu liegen ist keine besonders angenehme Vorstellung. Neben dem Können der Mediziner ist hier vor al- lem Hygiene entscheidend: Einwegplastik ist für Krankenhäuser unersetzbar: Jeder Gegenstand aus frisch geöffneten Behältern Blick in die Zukunft: Zurück zur Natur oder eine Welt, die in Plastik erstickt? (Credit: Business Upper Austria; Fotomontage) Timna Reisenberger skizzierte eine fiktive Vision einer Welt ohne Plastik und moderierte die Online- Veranstaltung (Credit: Business Upper Austria) der Expert*innen: Eine Zukunft ohne Kunststoff ist undenkbar, aber das Müllproblem muss gelöst werden.

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