Extrusion 3-2026
Stückzahl 1. Die Ergebnisse lassen sich durch eine daten- gestützte Überführung in konkrete Maschineneinstellun- gen direkt für die Produktion nutzen. Die tiefziehfähigen Barrierelacke des Fraunhofer IVV ver- einen Produktschutz und Tiefziehfähigkeit in einem recy- clingfähigen Monomaterial-Konzept – ohne Prozess- oder Qualitätseinbußen und geeignet für den sicheren und le- bensmittelkonformen Einsatz von Rezyklaten bei PP und PET in tiefgezogenen Verpackungen. Kreislauffähige Verpackungslösungen Mit dem neuen Fügeverfahren „Papure“ können 100 % re- cycel- und kompostierbare und gleichzeitig 100 % sicher ge- siegelte Papierverpackungen hergestellt werden. „Papure“ ermöglicht erstmals das Fügen von Papier ohne Fremd- stoffe wie Kunststoffschichten oder Kleber. Dabei wird Pa- pier mittels Laser vorbehandelt und anschließend mithilfe eines speziellen Wärmekontaktsiegelverfahrens gefügt. Darüber hinaus zeigt das Fraunhofer IVV mit einer Aus- wahl innovativer, faserbasierter Verpackungsdemonstra- toren seine Expertise bei der Entwicklung neuer kreis- lauffähiger Verpackungslösungen. Dazu zählen tiefgezo- gene Papierverpackungen mit funktionierender Barriere- beschichtung, sich autonom trennende Multimaterial- verpackungen, alternative Verpackungskonzepte aus re- gionalen Moorpflanzen sowie Beutelverpackungen mit funktionalen Barrieren. Um ultradünne anorganische Barriereschichten auf Pa- pier und biobasierten Folien aufbringen zu können, hat das Fraunhofer IVV eine spezielle Transferfolie konzipiert. Mit einem indirekten Metallisierungsverfahren werden stabile, reproduzierbare Barriereeigenschaften auch auf unebe- nen Oberflächen ermöglicht. Die Barriere wird durch einen Transferprozess von der wiederverwendbaren Trägerfolie auf das faserbasierte Material übertragen. Dadurch kön- nen selbst anspruchsvolle Produkte zuverlässig geschützt werden. Rezyklierbarkeit und Biobasiertheit bleiben voll- ständig erhalten, da nur minimale Kunststoffanteile erfor- derlich sind. Das Verfahren ist mit bestehenden Anlagen kompatibel und erfordert keine hohen Investitionen. Digitale Lösungen für Unternehmen Gemäß demMotto „Ask your company’s chatbot“ wurde am Fraunhofer IVV ein digitales Wissensmanagementsys- tem erarbeitet, damit die wertvolle Ressource Wissen für Unternehmen nicht durch Personalfluktuation oder Ren- teneintritte verloren geht. Die konkreten Wissensinhalte und -beziehungen werden mithilfe ingenieurpsychologi- scher Methoden systematisch erfasst und strukturiert. Ein unternehmensspezifisches Wiki mit integriertem Chatbot stellt das Wissen im Bedarfsfall allen Mitarbeitenden ein- fach und passgenau zur Verfügung. Zur automatisierten optischen Qualitätsüberwachung und lückenlosen Dokumentation in der Produktion stellt das Fraunhofer IVV das Bedienerassistenzsystem „image- SAM“ vor. Damit lassen sich Abweichungen und Fehler im Produktionsprozess automatisch erkennen, Fehlerursa- chen identifizieren und mit digitalisiertem Anwendungs- wissen verknüpfen. Bedienende erhalten bei Störungen in Extrusion 3/2026 33 Hochgeschwindigkeits-Impuls- schweißen für Monofolien Echtzeit passgenaue Handlungsanleitungen zur Fehlerbe- seitigung, sodass auch weniger erfahrenes Produktions- personal Maschineneinstellungen sicher und fehlerfrei vor- nehmen kann. Eine weitere digitale Lösung zur Qualifikation von Pro- duktionspersonal sind die am Fraunhofer IVV entwickelten VR-Trainings. In der virtuellen Realität lassen sich Maschi- nenfunktionen, Prozesszusammenhänge sowie Störungs- beseitigungen zeitlich flexibel und abseits der Produktion trainieren. Individuell angepasste didaktische Konzepte tragen dazu bei, Fehlbedienungen zu reduzieren und Rüst- zeiten zu verkürzen. Ein zusätzlicher Editor ermöglicht es zudem, VR-Trainings auch ohne Informatikkenntnisse zu erstellen, zu aktualisieren und zu erweitern. Datengestützte Messung Zur datengestützten Erhebung von Energie- und Res- sourcenverbräuchen in Verbindung mit der Anlageneffi- zienz im Herstellungs- und Verpackungsprozess stellt das Fraunhofer IVV das Datenerfassungssystem „VERA“ vor. Es kombiniert Verbrauchsmessungen mit den Betriebszu- ständen der Verarbeitungs- und Verpackungsmaschinen, sodass Verbrauchsdaten pro Verpackung, Maschine bzw. Verfahrensschritt bis auf eine Sekunde genau möglich sind. Damit liefert es Realdaten für Nachhaltigkeitsberichte, zum Beispiel die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und zeigt Optimierungspotenziale auf. Auch für die komplexe Verpackungsentwicklung liefern digitale Tools für die Haltbarkeitsprognose des Fraunhofer IVV belastbare Entscheidungsgrundlagen. Schon kleine Än- derungen an Material, Folienstärke oder Design können Haltbarkeit und Produktqualität beeinflussen. Mithilfe spe- zieller Simulationen lassen sich verschiedene Szenarien noch vor der industriellen Produktion der Materialien durchspielen, um zu entscheiden, wie die Verpackung kon- zipiert werden muss, damit Produktschutz und Kunststoff- reduktion optimal ausbalanciert werden. ► Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV Giggenhauser Str. 35, 85354 Freising, Deutschland www.ivv.fraunhofer.de/de/news/veranstaltungen/interpack.html Fachlicher Ansprechpartner: Prof. Dr.-Ing. habil. Marek Hauptmann marek.hauptmann@ivv-dd.fraunhofer.de, www.ivv.fraunhofer.de
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