Extrusion 6-2026

Recycling Extrusion 6/2026 53 ► Business Upper Austria ‒ OÖ Wirtschaftsagentur GmbH www.biz-up.at ► Enterprise Europe Network (EEN) www.een.at ► Plastrans Technologies GmbH www.plastrans.com Nicole Laher, Projektmana- gerin, Forschungs- und In- novationsförderberatung, Business Upper Austria (© Business Upper Austria) rialien neu“, erzählt Rudi Eswein, Di- rector of Sustainability bei Plastrans. Unternehmen, die Partner suchen, können ihr Profil am EEN-Marktplatz anonym veröffentlichen. Interessierte Unternehmen können sich melden, regionale Business Agencies (EEN- Partnerbüros) stellen dann den Kon- takt her. Hinter dem von Eswein entdeckten Profil steckt das Schweizer Unternehmen KUORI, ein Start-up mit zehn Beschäftigten. Es entwickelt und vertreibt kreislauffähige Materialien, die Lebensmittelreste beinhalten. Das EEN-Team bei der oberösterreichi- schen Standortagentur gab die Kon- taktdaten von Plastrans an die Schweizer Kollegin weiter. Ein erstes Treffen erfolgte auf der FAKUMA 2024. „Daraus ist eine Zusammenar- beit entstanden, die bis heute funk- tioniert“, sagt Eswein. Elastische Materialien gelten oft als langlebig, aber kaum abbaubar. Plas- trans und KUORI gehen einen ande- ren Weg. Sie steuern Härtegrade ge- zielt und mischen biobasierte Bestandteile bei. Basis ist die Materi- alplattform BIOWA, auf der das Zu- sammenspiel mit anderen Kom- ponenten auf das jeweilige Anwen- dungsszenario zugeschnitten wird. „So erhalten wir schnell abbaubare oder wasserlösliche Materialien bis hin zu langlebigen, robusten Com- pounds für Schuhaußensohlen“, er- klärt Eswein. Letztere bauen sich unter natürlichen Bedingungen ab, wenn sie zerkleinert sind bzw. von der Oberfläche abgerieben werden. Ver- arbeitet werden die Materialien über Extrusion und Spritzguss, damit sind sie vollständig recycelbar. Plastrans liefert Rezeptur-Komponenten. KUORI bringt Prozess- und Produktwissen ein. Beide öffnen einander ihre Netz- werke. Das senkt Kosten, ermöglicht weitere Partnerschaften und schafft Spielraum für neue Anwendungen. „Wir geben unseren Partnern Ent- scheidungsspielräume und beraten sie dabei“, erklärt Rudi Eswein. „Ganz konkret geht es hier um unser breites Materialportfolio aus konventionellen Materialien, fast allen kommerziell verfügbaren Bio-Polymeren, Com- pounds, Rezyklaten und ISCC+-zertifi- zierten Polyolefinen. Gepaart mit den eigenen Fähigkeiten unserer Partner öffnet sich eine Spiel- wiese für Kreativität. Es geht hier also nicht um ein einziges Material, sondern um eine Fülle an Möglichkeiten.“ Erste Pilotprodukte basierend auf KUORIs Compounds zeigen die Bandbreite der Möglich- keiten: ein Tischtennis- schlägerbelag, dessen Oberfläche den Drall des Balls unterstützt, 3D-Druck Filamente oder Schuhsolen, wobei stets auch agrarische Reststoffe Ver- wendung finden. Auf dem Sanitärmarkt ist bereits ein Abflusssieb auf Basis von KUORIs Materialmischung und Plas- trans-Rohstoffkomponenten in Kleinse- rie erhältlich. „Geht es versehentlich im Kanal verloren, baut es sich mit der Zeit ab. Weil es flexibel ist, passt es sich gut an und kann etwa gemeinsammit Haa- ren weggeworfen oder gereinigt und wiederverwendet werden. Das bestä- tigt auch das Plastrans-Team, das das Abflusssieb monatelang verwendet hat“, schildert Eswein. Abbaubarkeit ist hier eine Notfall- option, kein Freibrief für sorglosen Umgang oder dafür, Produkte achtlos in der Umwelt zu entsorgen oder das End-of-Life Szenario zu ignorieren. Der Fokus liegt vielmehr auf der Flexi- bilität, die durch die Wahl der Rezep- tur gelingt. „Gleichzeitig erreichen wir ein ausgewogenes Verhältnis zwi- schen Verwendungsdauer und Ab- baubarkeit“, ergänzt Rudi Eswein. Ein spannendes Aktionsfeld ist die Reduktion von abriebbedingtem Mi- kroplastik. Kautschuk beispielsweise ist nur eingeschränkt abbaubar, stark vernetzter synthetischer Kautschuk wie bei Autoreifen kann gar nicht bio- logisch abgebaut werden. Gleiches gilt für viele weitere Produkte des tägli- chen Lebens. Hier kommen die flexi- blen und elastischen Materialien von KUORI ins Spiel. Die Anwendung in einem Kinderwagenrad mit abbauba- rem Abrieb ist im Labormaßstab be- reits gelungen. Werkstoffe zum Ersatz von vernetz- ten Materialien wie bei Autoreifen ste- hen derzeit auf Technology Readiness Level 3, sprich: Der experimentelle Nachweis der funktionierenden Tech- nologie ist geglückt. Zusätzlich zu den Materialien von KUORI baut Plastrans sein Portfolio weiter aus. Dazu zählen kompostierbare Hochbarrieremate- rialien auf CO 2 -Basis. „Außerdem ar- beiten wir an Rohstoffpartner- schaften, bei denen es um Beschich- tungsmaterialien aus agrarischen Reststoffen geht“, berichtet Eswein. Business Upper Austria hat Plas- trans und KUORI über das EEN-Part- nering am EEN-Marktplatz zusam- mengeführt. Projektmanagerin Nicole Laher erklärt: „Unsere Aufgabe ist es, Suchprofile oberösterreichischer KMU zu erstellen und europaweit über das EEN zu verbreiten. Suchprofile aus- ländischer Unternehmen übermitteln wir an potenzielle Partner in Ober- österreich. Damit wollen wir Koopera- tionen anstoßen.“ Mittels ECO-lyze ® Assessment hat das EEN-Teammit Plastrans auch den Status quo der betrieblichen Nachhal- tigkeit analysiert und hinsichtlich Ver- besserungsmöglichkeiten beraten. Eswein betont: „Unser Nachhaltig- keitsbericht nach ESRS VSME für 2025 ist in Arbeit. Wir lernen konstant aus den Erfahrungen, die wir während der Erstellung der Berichte und danach sammeln. Business Upper Austria hat uns hier den Einstieg maßgeblich er- leichtert.“ Rudi Eswein, Director of Sustainability Plastrans Technologies GmbH (© Plastrans)

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