Extrusion 6-2026

Extrusion 6/2026 Recycling 51 ► BASF, www.basf.com mit allen Kunststoffen und nur bei sauberen und sortenreinen Abfällen. Das mechanische Recycling eignet sich besonders für Verpackungsab- fälle, bei denen große Mengen relativ sortenreiner Kunststoffe mit nur we- nigen Zusatzstoffen anfallen. Aller- dings können hohe Qualitäts- und Hygieneanforderungen den Einsatz mechanisch recycelter Materialien in neuen Verpackungen einschränken. Bei Kunststoffen für technisch an- spruchsvolle Anwendungen stößt das mechanische Recycling häufig an seine Grenzen, da geeignete Abfall- ströme oft nur begrenzt verfügbar sind und die Produkte meist aus kom- plexen Polymerzusammensetzungen bestehen. Im Gegensatz dazu eignet sich das lösemittelbasierte Recycling für kom- plexere Kunststoffabfälle. Dabei wird eine spezielle Kunststoffsorte mit einem Lösungsmittel selektiv aufge- löst, getrennt und aufgereinigt. So las- sen sich etwa Polyamide aus Fahr- zeugschrott zurückgewinnen und wie- der zu Bauteilen verarbeiten. Eine weitere wichtige Recyclingtech- nologie ist die Depolymerisation. Hier werden Kunststoffe in ihre Grundbau- steine zerlegt und wieder neu zusam- mengebaut. Mit loopamid ® haben Forscher*innen von BASF ein innova- tives Verfahren entwickelt, das das zir- kuläre Textil-zu-Textil-Recycling von Polyamid 6 ermöglicht. Aus Textilab- fällen können dadurch wieder Polya- midfasern hergestellt werden, die genauso hochwertig sind wie her- kömmliches Polyamid 6. Anfang 2025 hat BASF am Standort Caojing, Damit eine große Bandbreite an Kunststoffen wiederverwertet werden kann, sind verschiedene Recycling- technologien notwendig. Während sich Kunststoffe für Massenanwen- dungen, wie etwa Polyolefine für Ver- packungen, häufig mit etablierten Verfahren recyceln lassen, benötigen Spezialkunststoffe oft Recyclinglösun- gen, die auf ihre spezifischen Eigen- schaften und Anwendungen zuge- schnitten sind. Dies betrifft beispiels- weise Kunststoffmischungen, die neben Polyolefinen, Polyurethanen oder Polyamiden noch zahlreiche Zu- satzstoffe wie Additive oder Farb- stoffe enthalten. Diese Materialien werden für anspruchsvolle Anwen- dungen entwickelt, etwa im Automo- bilbereich, wo Standardkunststoffe die erforderlichen Leistungsmerk- male häufig nicht erfüllen. Das schrei- ben Forscherinnen und Forscher von BASF in einem aktuellen Fachbeitrag in der renommierten US-Zeitschrift Accounts of Materials Research. Um Kunststoffe aus heterogenen Abfallströmen im Kreislauf zu halten, sind zwei Voraussetzungen entschei- dend: leistungsfähige Sortierverfah- ren im industriellen Maßstab und ein breites Spektrum an Recyclingtechno- logien. Welche Recyclinglösung geeig- net ist, hängt sowohl vom jeweiligen Material als auch von der Zusammen- setzung des Abfallstroms ab. „Es gibt nicht die eine Standardtech- nologie für die Wiederverwertung technischer Kunststoffe“, betont Erst- autor Dr. Bernhard von Vacano, Leiter des Forschungsprogramms Plastics Circularity bei BASF. „Entscheidend ist vielmehr ein intelligenter Mix ver- schiedener, sich ergänzender Techno- logien, die zu den jeweiligen Kunst- stoffabfällen passen. Das Ziel ist, hochwertige Recyclingmaterialien her- zustellen und technische Kunststoffe dauerhaft im Kreislauf zu behalten.“ Am weitesten verbreitet ist das me- chanische Recycling: Kunststoffe wer- den sortiert, zerkleinert und einge- schmolzen. Dieses Verfahren ist ener- gieeffizient, funktioniert aber nicht Recycling technischer Kunststoffe erfordert einen Technologiemix Schanghai/China, die erste kommer- zielle loopamid-Produktionsanlage in Betrieb genommen. Kunststoffe aus stark gemischten Abfällen, die bislang überwiegend in der Müllverbrennung landen, können in thermochemischen Verfahren wie der Pyrolyse und der Gasifizierung zu- rückgewonnen werden. Diese Tech- nologien benötigen viel Energie. Bei der Pyrolyse zerfallen die langkettigen Polymere der Kunststoffe in kurze Kohlenwasserstoffketten, die als Py- rolyseöl wieder als Rohstoff einge- setzt werden können. Bei der Gasifizierung entsteht Synthesegas, das als chemischer Ausgangsstoff in der Produktion dient. Zahlreiche Pilotprojekte von BASF zeigen, dass viele Recyclingverfahren für Polyurethane und Polyamide tech- nisch funktionieren und aus Kunst- stoffabfällen Rohstoffe in Neuware- Qualität zurückgewonnen werden können. „Uns fehlen aber noch zwei entscheidende Bausteine, damit wir diese Technologien im industriellen Maßstab einsetzen können und trag- fähige Geschäftsmodelle für große In- vestitionen möglich sind: Zum einen benötigen wir ein passendes Abfall- management, damit wir die Kunst- stoffe überhaupt dauerhaft im Kreislauf führen können. Zudem muss die Politik klare und verlässliche Rahmenbedingungen für das Recy- cling festlegen“, sagt Dr. Jens Hamp- recht, Mitautor der Publikation und Vice President im BASF-Unterneh- mensbereich Performance Materials.

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