Extrusion 5-2021

Mit diesem Problem hat man sich bei Lindner beschäftigt und die etablierte Mono-Fix-Technologie zu einem smarten System weiterentwickelt. Mono-Fix erlaubt das Wechseln von Messern und Messerhaltern durch nur eine einzige Schraube und wurde ursprünglich entwickelt, um Stillstandzeiten bei Wartungen zu minimieren. Jetzt wurde das System um mehrere Module er- weitert. Zur Verfügung stehen unterschiedliche Spitz- und Flachmesser sowie Blindplatten und spezielle Gegenmesser, die am selben Rotorkörper einsetzbar sind. Durch diese Erweite- rung ist es nun möglich, nicht nur das Schnittsystem verschleiß- bedingt komplett zu ersetzen, sondern auch unterschiedliche oder gemischte Rotorkonfigurationen einzusetzen. Besonders bei schwierigen Materialien wie massiven Brocken können durch gemischte Schnittsysteme bekannte Probleme vermieden werden, denn setzt man hier nur Spitzmesser ein, fräsen sich die Messer in den Kunststoff und der Durchsatz sinkt stark ab. Kombiniert man die beiden Systeme, entsteht ein durch das Spitzmesser präzise geschnittenes Korn und die anfallenden Einfräsungen werden von den Flachmessern freigeschnitten. Ebenso kann durch den Einsatz von speziellen Füllplatten die Aggressivität der Schnitteinheit angepasst werden, um auch mit geringen Antriebsleistungen schwere Materialien bei ent- sprechenden Durchsätzen verarbeiten zu können. Zusätzlich zu den flexiblen Rotorkonfigurationen werden maßgeschneiderte Software-Set-Ups angeboten, mit denen relevante Parameter in Bezug auf die Maschinensteuerung und den Frequenzumfor- mer an das jeweilige Einsatzgebiet angepasst werden. Das flexible Schnittsystem entstand in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Kunststoffrecycler Candi Plastic Recycling GmbH, der jenes auch bereits erfolgreich im Einsatz hat. Beim Familienunternehmen Candi Plastic Recycling mit Stammsitz in Sollenau werden jährlich etwa 3.000 Tonnen thermoplastische Kunststoffe wie PE, PP, PS und ABS zu sortenreinen Regranula- ten verarbeitet. Die Materialien, die südlich der österreichischen Metropole Wien, sowie beim Tochterunternehmen Calex im ru- mänischen Baia Mare aufbereitet werden, stammen meist di- rekt von internationalen Größen der Verpackungs- und Mar- kenproduktherstellung. Eines der Geheimnisse des Betriebs auf seinem mittlerweile zwanzigjährigem Erfolgsweg ist es, sich ständig an unterschied- liche Materialien und neue Kundenwünsche anpassen zu kön- nen. Dazu Andreas Campan, Leiter der Produktion und Chef- techniker bei Candi Plastic Recycling: „Wir verarbeiten Thermo- plaste in beinahe jeder Form, angefangen von Folien über Hohl- körper bis hin zu Klumpen. Da immer mehr Produzenten Abfäl- le so gut es geht vermeiden wollen, steigen die geforderten Ab- nahmemengen und damit auch die Vielfältigkeit der unter- schiedlichen Materialien ständig. Um hier dem Kundenwunsch gerecht zu werden, aber auch unsere Kapazitäten mit optima- ler Produktivität auslasten zu können, setzen wir auf Technolo- gien, die es uns ermöglichen, ein möglichst breites Spektrum abzudecken.“ Im konkreten Fall der Zerkleinerung, der ersten Stufe im Aufbereitungsprozess, setzt man deshalb auf kompak- te Schredder von Lindner. Heute prägt die Zusammenarbeit von Candi Plastic Recycling und Lindner eine Partnerschaft, in der gemeinsam an smarten Lösungen für neue Herausforderungen gearbeitet wird. „Wir haben nach einer Lösung gesucht, um möglichst viele unter- 39 Extrusion 5/2021 Lindner-Recyclingtech GmbH Villacher Str. 48, 9800 Spittal/Drau, Österreich www.lindner.com schiedliche Materialien mit einer Maschine verarbeiten zu kön- nen. Das hält einerseits die Investitionskosten im Rahmen und sorgt dafür, dass wir die uns zur Verfügung stehenden Kapazi- täten ideal auslasten können. Sind diese Punkte erfüllt, können wir letztlich auch unsere Umsätze steigern. Als wir uns damit an Lindner gewandt haben, war sofort die Bereitschaft da, die- ses Thema gemeinsam anzugehen“, erläutert Campan. Das Re- sultat dieser Zusammenarbeit ist ein flexibles Schnittsystem auf- bauend auf der bewährten Lindner Mono-Fix-Technologie. Da- durch ist es möglich, den Zerkleinerer in kurzer Zeit an die un- terschiedlichsten Materialien anzupassen und dabei mit ver- schiedenen Messergeometrien und Rotorkonfigurationen die Durchsätze auf einem konstant hohen Niveau zu halten. Dazu konstatiert Stefan Scheiflinger-Ehrenwerth, Leiter des Produkt- managements bei Lindner Recyclingtech: „Wir legen immer großen Wert darauf, Lösungen gemeinsam und ganz nah am Kunden zu entwickeln. In der Zusammenarbeit mit dem groß- artigen Team von Candi hat sich dieser Ansatz wieder einmal mehr als bewährt.“ Die schlüsselfertigen Pakete können anwendungsbezogen und passend zum jeweiligen Schredder als materialspezifische Opti- on bestellt werden. Messer und Messerhalter des Lindner Mono-Fix-Systems lassen sich frei am Rotor positionieren und mit nur einer Schraube wechseln Die Kombination unterschiedlicher Messergeometrien ermöglicht eine optimale Anpassung an die zu zerkleinernden Kunststoffe

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