Extrusion 3-2026

Extrusion 3/2026 Recycling 46 Die EU setzt der Verpackungsbran- che ambitionierte Ziele auf dem Weg zu einer funktionierenden Kreislauf- wirtschaft. Im Kooperationsprojekt „Optimize2Recycle“ entwickelten die Partner Best-Practice-Lösungen, um den Carbon Footprint zu senken und Verpackungen recyclingfähiger zu ma- chen. Der Kunststoff-Cluster hat das Projekt begleitet. Der europäische Green Deal und das EU-Kreislaufwirtschaftspaket trei- ben einen schonenden Umgang mit Ressourcen voran und setzen die Branche gleichzeitig unter Handlungs- druck. Bis 2030 sollen alle Kunststoff- verpackungen recyclingfähig oder wiederverwendbar sein, ab 2025 mit einer Recyclingquote von 50 Prozent. Die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR verlangt erstmals eine Recy- clingfähigkeit von mindestens 70 Pro- zent. Best Practices für die Branche : Genau hier setzte das Projekt an. „Mit Lenzing Plastics, Jodl Verpackungen und Dan- nemann Global Extrusion haben wir Verpackungen mit geringer oder feh- lender Recyclingfähigkeit identifiziert und daraus praxistaugliche, wieder- verwertbare Lösungen entwickelt. Diese dienen als Best Practices für die gesamte Verpackungsbranche“, be- richtet Michael Krainz vom Österrei- chischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI), das „Opti- mize2Recycle“ als wissenschaftlicher Partner begleitete. Problematische Metallschicht : Nach dem cyclos-HTP-Standard gelten die metallisierten Papierbeutel von Jodl Verpackungen als null Prozent recy- clingfähig. „Grund dafür ist, dass die Nahinfrarot-Sensoren (NIR) der Sor- tieranlagen die außenliegende Metal- lisierung nicht erkennen“, erklärt Jodl-Verkaufsleiter Norbert Neu- mayer. Nicht metallisierte Papierbeu- tel erzielten je nach Typ eine indi- kative Recyclingfähigkeitsbemessung von 70 bis 80 Prozent, vereinzelt fie- len die Ergebnisse aufgrund des Zer- faserungsverhaltens auch schlechter aus. PP-Beutel hingegen zeigten eine sehr hohe Recyclingfähigkeitsbemes- sung von über 95 Prozent und wiesen zusätzlich einen besseren Feuchte- und Produktschutz auf als Papierbeu- tel. Gutes Zeugnis für PP-Beutel : Die Pro- jektgruppe untersuchte anschließend, ob der bei PP-Beuteln mit Bodeneti- kett eingesetzte Klebstoff die Recy- clingfähigkeit beeinflusst. „In Prüfun- gen mit 5 und 30 Prozent Störstoff- anteil im Post-Consumer-Rezyklat tra- ten keine signifikanten mechanischen Beeinträchtigungen auf. Der Klebstoff gilt damit als recyclingkompatibel“, bestätigt Neumayer. Eine vereinfachte Lebenszyklusanalyse ergab schließ- lich, dass die leichteren PP-Beutel im Recyclingstarke Verpackungen Der bedruckte PP-Beutel von Jodl wird mit einer Recyclingfähigkeit von über 95 Prozent beurteilt (©Jodl) Im Projekt wurden unter anderem zerkleinerte metallisierte Folien untersucht (©Dannemann) Ausgangsszenario – trotz thermischer Verwertung am Lebensende – einen ähnlichen CO 2 -Fußabdruck wie Pa- pierbeutel aufweisen. Mit zunehmen- der Recyclingquote von PP verbes- serte sich deren Carbon Footprint je- doch deutlich. Papierbeutel besitzen bereits eine sehr hohe Recycling- quote, deshalb fällt ihr Reduktionspo- tenzial gering aus. Erste Lösungen für PET-Verpackun- gen : Die untersuchten transparenten PET-Verpackungen von Dannemann Global Extrusion sind zwar NIR-sor- tierbar, erreichten aber aufgrund ihrer Metallisierungen nicht die ab 2030 geforderte Recyclingfähigkeit von ≥ 70 Prozent gemäß PPWR. Auch hier führte das Projekt zum Erfolg: Es wurden erste Lösungsansätze mit me- tallfreien, NIR-detektierbaren Pigmen- ten gefunden. Jetzt wird geprüft, wie gut sie sich verarbeiten lassen, ob sie für den Lebensmittelkontakt taugen und ob sich ihr Einsatz wirtschaftlich lohnt.

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