Extrusion 3-2026
Beim Thermoformen von Kunststoffprodukten entfallen bis zu 90 Prozent der Gesamtkosten auf den eingesetzten Werkstoff. Vor dem Hintergrund steigender Rohstoffpreise und wach- sender Anforderungen an die Materialeffizienz gewinnt die gezielte Einstellung der Wand- dickenverteilung zunehmend an Bedeutung. In der industriellen Praxis hat sich hierfür die mechanische Vorstreckung mittels Vorstreckstempeln als Standardverfahren etabliert, da sie eine anwendungsangepasste Materialverteilung ermöglicht [IS16, Mar18, Mos13]. Stützluftunterstütze Vorstreckstempel – eine konstruktive Maßnahme zur Vermeidung von Schreckmarken E ine wesentliche prozessbedingte Herausforderung der Stempelverstreckung ist jedoch die Ausbildung sogenannter Schreckmarken. Diese definieren sich als lokal begrenzte Materialanhäufungen, die sowohl die optische Qualität als auch die funktionale Materialausnut- zung der Formteile beeinträchtigen [HB18, IS16, MD07, Sch15, TB99]. Schreckmarken entstehen infolge des direk- ten Kontakts zwischen dem erwärmten Halbzeug und dem vergleichsweise kühlen Vorstreckstempel. Der dabei auf- tretende schlagartige Wärmeentzug reduziert die lokale Verstreckfähigkeit, sodass der betroffene Bereich weniger stark gedehnt wird und eine erhöhte Wanddicke ausbildet. Das IKV entwickelt daher im Rahmen eines Forschungs- vorhabens ein neuartiges Verfahren zur gezielten Einbrin- gung von Stützluft in den Vorstreckstempel. Ziel der Entwicklung ist die Erzeugung eines Luftpolsters zwischen Stempel und Halbzeug zur Vermeidung von Schreckmar- ken sowie zur gezielten Beeinflussung der Wanddicken- verteilung. Extrusion 3/2026 Bild 1: Verwendete Werkzeug- und Stempelgeometrie (links) und Stützluftkonzept (rechts) Werkzeug- und Stempelgeometrie Stützluftsystem Stützluftzufuhr Ø 4 mm Ø 60 mm Ø 58.69 mm 80 mm 20 mm 40 mm Stützluftkanäle Luftpolster Halbzeug 4° 4° 25 Thermoformen – Aus der Forschung
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