Extrusion 3-2022

45 Extrusion 3/2022 dabei eng mit den Rohstoffherstellern zusammen. Die kommen mit ihrem Material in unser Technologiezentrum und wir sehen gemeinsam, wie es sich verarbeiten lässt, wie wir unsere Maschi- nen anpassen müssen. Das ist gemeinsame Grundlagenfor- schung, damit am Ende diese neuen Folien und Verpackungen weltweit zur Verfügung stehen. Wie sieht es mit Bio-Kunststoffen aus? Baumeister : Das machen wir auch und da sind wir auch mit Her- stellern in Kontakt. Aber in diesem Bereich gibt es heute noch keine hinreichenden Mengen und deshalb sind diese biobasier- ten Rohstoffe auch noch zu teuer. Es ist auch so, dass diese Roh- stoffe andere Eigenschaften als ölbasierte Kunststoffe haben und es für sie noch gar keine eigenen Recyclingströme gibt. Sie sind aus all diesen Gründen nicht ohne weiteres einsetzbar. Daher muss man sehr genau prüfen, für welche Verpackungen eine Folie aus Biomaterial wirklich geeignet ist. Es gibt auch die Diskussion, Kunststoffe aus CO 2 zu gewinnen. Was halten Sie davon? Baumeister : Diese Diskussionen gibt es. Aber nach unserer Ein- schätzung ist der Engpass hier nicht die mangelnde Verfügbar- keit, sondern der hohe Energiebedarf. Wenn es möglich wäre, diese Energie komplett aus Erneuerbaren zu gewinnen, dann wäre die Kunststoffgewinnung aus CO 2 ein großer Sprung nach vorne. Das ist ähnlich wie beim chemischen Recycling, wo auch viel Energie benötigt wird. Trotzdem muss man schon jetzt an diesen Technologien arbeiten, damit man darauf umschwenken kann, wenn genug grüne Energie zur Verfügung steht. Wie sieht die Zukunft der Verpackungsfolie aus? Baumeister : Nicht überall auf der Welt haben die Menschen den Luxus, Lebensmittel in geordneten Kühlketten transportie- ren und dann in Bio-Läden unverpackt einkaufen zu können. In Mega-Cities geht das nicht, auch in warmen Regionen mit einer hohen Luftfeuchtigkeit verderben ohne gute Verpackung zu viele Lebensmittel auf dem Weg vom Produzenten zum Ver- braucher. Kunststoffverpackungen werden also weiterhin ge- Mitarbeiter vor einer „Yes we care” Austellung Beutel aus Monomaterial ➠ VDMA Kunststoff- und Gummimaschinen Lyoner Straße 18, 60528 Frankfurt am Main, Deutschland vdma.org/kunststoffmaschinen-gummimaschinen ➠ Brückner Maschinenbau GmbH & Co. KG Königsberger Str. 5-7, 83313 Siegsdorf, Deutschland www.brueckner-maschinenbau.com braucht. Man kann auch nicht alle Verpackungen aus alternati- ven Materialien herstellen. Dann wäre der ökologische Fußab- druck in vielen Fällen schlechter als der von Kunststoff, der später wieder recycelt wird. Das Problem ist vielmehr, dass noch viel zu viel Kunststoffverpackung auf Mülldeponien landet oder bestenfalls verbrannt wird und noch viel zu wenig recycelt wird. Brückner hat die Initiative „Yes We Care“ ins Leben gerufen. Was macht die? Baumeister : Wir wollen damit für mehr Transparenz in der Dis- kussion um Kunststoffe und dessen Vor- und Nachteile sorgen. Zum einen für unsere Mitarbeiter. Wir wollen ihnen Argumente für unseren Werkstoff an die Hand geben, damit sie in Diskus- sionen, in der Familie, in ihrer Nachbarschaft etwas gegen das Kunststoff-Bashing vorbringen können. Aber wir gehen auch als Firma auf unsere Nachbarn zu, auf Bürgermeister, Parteien und andere Interessierte. Und vor Corona waren regelmäßig Stu- denten, Schulklassen und sogar Kindergartengruppen bei uns zu Gast, um sich zu informieren und zu diskutieren. Viele gehen danach mit einem anderen Blick auf Kunststoff nach Hause. Vielen Dank für das Gespräch!

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