Extrusion 2-2026

lich toleranter gegenüber materialbedingten Verunreini- gungen, während beim chemischen Recycling bereits ge- ringe Fremdstoffanteile zu Prozessinstabilitäten bis hin zu Anlagenstillständen führen können [Han19]. Im Forschungsvorhaben „Foilbacking“ wurde ein Mono- materialansatz verfolgt, bei dem sämtliche funktionale Schichten auf PA 6 basieren. Durch werkstoffliches Recy- cling von Altteppich bzw. Altteppichfasern sollte eine Folie aus werkstofflich recyceltem TB aus PA 6 (rPA6) hergestellt werden, die als Träger und Fixierung des Polgarns dient, sodass auf die Latexschicht vollständig verzichtet werden kann. Infolge dessen verringert sich der Anteil material- fremder Störstoffe, wodurch der Massenanteil von PA6 im neu hergestellten Bodenbelag von 50 Gew.-% auf etwa 90 Gew.-% erhöht wird [NN17] (vgl. Bild 1 ). Durch das ge- wählte Recyclingverfahren ergibt sich ausgehend von jähr- lich rund 400.000 t Abfällen textiler Bodenbeläge mit einemMarktanteil von etwa 40 Prozent polyamidbasierter Böden und einem PA-Anteil von durchschnittlich 50 Pro- zent im textilen Belag ein theoretisches Rückgewinnungs- potenzial von bis zu 80.000 t PA 6 pro Jahr allein für den deutschen Markt. Die daraus entstehende rPA6-Folie be- ziehungsweise das Granulat kann zudem als Eingangs- strom für weitere Anwendungen (zum Beispiel Automobil- komponenten) dienen [NN01] und trägt damit zur Erhö- hung der derzeit niedrigen werkstofflichen Recyclingquote bei, insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Re- zyklateinsatzanforderungen im Automobilsektor im Rah- men der End-of-Life-Vehicle-Verordnung [NN23]. Der neu entwickelte Schichtaufbau kann mittels Ther- mobonding realisiert werden, wobei die thermoplastischen Eigenschaften der eingesetzten Fasern genutzt werden, indem diese unter thermischer Einwirkung partiell auf- schmelzen und bei anschließender Abkühlung wieder er- starren. Dazu wird das Polgarn mittels beheiztem Kalander angeschmolzen und zeitgleich eine Folie zugeführt, die im hier beschriebenen Ansatz aus (rPA6) besteht ( Bild 2 ). Im angeschmolzenen Zustand werden TB-Rohware (Träger- schicht und Polgarn) und Recyclingfolie unter Einwirkung von Druck und Temperatur im Walzenspalt stoffschlüssig verbunden. Extrusion 2/2026 Das Thermobonding wird industriell bislang vor allem bei Automobiltextilien (zum Beispiel Kofferraumausklei- dung) eingesetzt, dort allerdings bei geringer Material- und Konstruktionsvariabilität [The03]. Die Übertragung auf tex- tile Bodenbelägse stellt eine größere Herausforderung dar, da Materialvarianten und Konstruktionen deutlich breiter sind und die Parameter (Temperatur ϑ KL , Druck, Ge- schwindigkeit v u ) sehr fein auf das Produkt abzustimmen sind. Da es sich um ein neuartiges Verfahren handelt, sind die Festigkeitsanforderungen an die Folien derzeit noch nicht klar definiert. Daher werden die mechanischen Zu- geigenschaften der hergestellten Folien geprüft und mit den Kennwerten von Neuware verglichen. Im Projekt wurden von Aquafil Holding S.P.A., Italien, Acro sowohl Post-Industrial-Rezyklat (PIR-PA6) als auch Post-Consumer-Rezyklat (rPA6) in Faserform bereitgestellt. Die direkte Extrusion faserförmiger Eingangsmaterialien wurde im Technikum des IKV auf verschiedenen Extrudern untersucht. Hierbei zeigte sich jedoch auf allen Extrudern, dass die Fasern aufgrund ihrer schlechten Rieselfähigkeit und massiver Brückenbildung nicht für eine Direktextru- sion geeignet waren. Sowohl bei den eingesetzten Ein- schnecken- als auch Doppelschneckenextrudern "verhak- ten" sich die Fasern im Trichter und konnten nicht zuver- lässig eingezogen werden. Aus diesem Grund war es er- forderlich, alternative Verfahrensansätze zur kontinu- ierlichen Verarbeitung der Fasern zu entwickeln, um einen gleichmäßigen und kontinuierlichen Materialeinzug für die Folienextrusion sicherzustellen. In diesem Zusammenhang wurde für die rPA6-Fasern eine Granulierung und für die PIR-PA6-Fasern eine Kompaktierung bzw. Agglomeration als geeignete Aufbereitungsstrategie gewählt. Agglomeration (PIR-PA6) und Folienproduktion aus PIR-PA6 Für PIR-PA6-Fasern wurde eine Agglomeration durch die Firma Herbold Meckesheim GmbH, Meckersheim durch- geführt. Durch Friktion an und zwischen Verdichterschei- ben eines Agglomerators wurde das Material erwärmt, getrocknet und gleichzeitig kompaktiert. Es entstanden Ag- glomerate einer Größe von 5 bis 10 mm Durchmesser, die zwar nicht ideal rund, jedoch rieselfähig sind. Diese Um- 37 Bild 2: Verfahrensdarstellung Thermobonding K L Kalanderwalze A W Andruckwalze t u Verweildauer der Ware v Abzug Abzugsgeschwindigkeit v u Geschwindigkeit Kalander (m/s) ϑ KL Temperatur Kalander ϑ TR Temperatur Warenrückseite Φ Wärmestrom * Warenspannung ϑ TR ϑ KL ϑ KL Φ α KL ZW AW KW v Abzug v u KW Folienzulauf Wareneinlauf

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