Extrusion 1-2026

Extrusion 1/2026 Recycling 59 ► PlasticsEurope Deutschland e. V. plasticseurope.org die Verbände dafür ein, dass auch lö- semittelbasierte Prozesse als Teil der Lösung gefördert werden. Dadurch werden deutlich höhere Reinheiten erzielt als bei herkömmlichen mecha- nischen Recyclingverfahren, so dass mehr Abfälle recycelt werden und be- sonders hochwertige Rezyklate her- gestellt werden können. Hintergrund: Was ist chemisches Re- cycling : Beim chemischen Recycling werden Kunststoffe in ihre chemi- schen Grundstoffe zerlegt. Dabei ent- stehen kohlenstoffhaltige Öle und Gase, sowie Feststoffe. Diese Öle und Gase können erneut zur Herstellung von Kunststoffen verwendet werden und fossile Rohstoffe in der Kunst- stoffproduktion teilweise ersetzen. Chemisches Recycling gilt daher als ein wichtiger Baustein für die Defossi- lierung der Kunststoffproduktion. Da chemisch recycelte Materialien aber überwiegend in der Verarbeitung zu neuen Produkten bislang einen ge- ringen Anteil haben, werden sie ge- meinsam mit fossil-basierten Materi- alien verarbeitet. Daher kann ihr An- teil im Endprodukt nicht direkt be- stimmt werden. Der Rohstoffanteil wird deshalb, ähnlich wie bei Fair- Trade-Schokolade, Ökostrom- oder Biomasse, den Endprodukten über Massenbilanzen zugeordnet. Aktuelle Kapazitäten : In Deutsch- land waren im letzten Jahr fünf Anla- gen in Betrieb, die zusammen rund 20.000 Tonnen Altreifen und 10.000 Tonnen Kunststoffabfälle pro Jahr auf- nehmen können. Das entspricht nur einer sehr kleinen Menge des gesam- ten Kunststoffabfalls in Deutschland, der jährlich bei über sechs Millionen Tonnen liegt. Laut Studie stehen dem chemi- schen Recycling, als Ergänzung des mechanischen Recyclings, bis 2035 etwa eine halbe Millionen Tonnen ge- eigneter Abfälle zur Verfügung. Dazu zählen vor allem Reststoffe und ge- mischte Kunststoffreste aus dem Gel- ben Sack, die heute noch verbrannt werden, weil sie sich mechanisch nicht verwerten lassen. Sollten alle aktuell geplanten Pro- jekte umgesetzt werden, könnte die Kapazität des chemischen Recyclings auf bis zu 0,8 Millionen Tonnen stei- gen, was rund dreizehn Prozent des deutschen Kunststoffabfalls ent- spricht. Die Studienautoren gehen auf- grund von Verzögerungen einzelner Investitionen allerdings bis 2035 eher von einem mittleren Mengenzuwachs auf rund 0,3 Millionen Tonnen aus. Was recycelt werden kann : In Deutschland dürften sich die Investi- tionen vor allem auf Anlagen für Py- rolyse- und Verölung konzentrieren. Für diese chemischen Recyclingver- fahren eignen sich vor allem stark ge- mischte Kunststofffraktionen und Verbundkunststoffe, die für hochwer- tiges mechanisches Recycling zu kom- plex oder zu stark verschmutzt sind, darunter polyolefinreiche Reststoffe (mit hohem Anteil an HDPE, LDPE, PP), oder Altreifen sowie bestimmte PS- und PMMA-Abfälle. Der Großteil, der für das chemische Recycling geeigneten Kunststoffab- fälle stammt aus der Leichtverpa- ckungs (LVP)-Sammlung („Gelber Sack/Gelbe Tonne“): Rund 92 Prozent des aktuellen Inputs kommen aus die- sem Strom, der Rest aus Gewerbeab- fällen und industriellen Quellen. Hintergrund zur Studie: Die Studie „Chemisches Recycling in Deutsch- land – Ist-Situation 2024 und Ausblick bis 2030/2035“ wurde vom Marktfor- schungsunternehmen Conversio er- stellt. Auftraggeber der Studie ist die BKV GmbH mit Unterstützung von unter anderem Plastics Europe Deutschland und VCI. Eine Kurzfas- sung und eine Langfassung der Studie sind über die Homepage der BKV er- hältlich. ALPLA arbeitet an einer Zukunftslö- sung für recyceltes HDPE im direkten Kontakt mit Lebensmitteln. Der inter- national tätige Spezialist für Verpa- ckungen und Recycling evaluiert ab sofort mit dem unabhängigen Tech- nologieinstitut NTCP das patentierte lösungsmittelbasierte Verfahren auf einer Pilotanlage in Heerenveen. Das vom niederländischen Ministerium Innovationsprojekt startet in den Niederlanden Das Projektteam von ALPLA und NTCP realisiert eine Pilotanlage für lösungsmittelbasiertes HDPE-Recycling in Heerenveen (Foto: ALPLA/NTCP)

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