Extrusion 1-2026
Extrusion 1/2026 Recycling 55 ► Henkel AG & Co. KGaA www.henkel.de Rezyklatanteil von mindestens 25 Pro- zent in Einwegflaschen und ab 2030 von mindestens 30 Prozent in allen Kunststoffflaschen vor. Der Einsatz von Regranulat bietet vielfältige Vor- teile: Zum einen schont er fossile Res- sourcen wie Rohöl, die für die Herstellung von neuem Kunststoff- granulat benötigt würden. Zum ande- ren ist der Energieaufwand deutlich geringer, denn das Recycling von PET benötigt rund 88 Prozent weniger Energie als die Herstellung von Kunst- stoff aus Primärrohstoffen. Obwohl in Europa bereits über 60 Prozent der PET-Flaschen gesammelt werden, könnten nach Branchenschät- zungen jährlich mehr als 11 Milliarden Flaschen zusätzlich in den Recycling- kreislauf zurückgeführt werden. Dafür soll unter anderem die EU-Kunststoff- strategie sorgen, die Anreize zur Erhö- hung der Sammelquote von PET- Getränkeflaschen schafft und den Aus- bau der Recyclingstruktur unterstützt. Doch das Einsammeln ist nur die halbe Miete: Voraussetzung für eine effi- ziente Wiederverwertung ist, dass alle Bestandteile der Flasche recyclingge- recht gestaltet sind. Insbesondere das Etikett muss sich rückstandsfrei vom Kunststoff ablösen lassen – eine An- forderung, die in der Praxis aufgrund nicht vollständig ablösbarer Klebstoffe oft nicht erfüllt wird. Auf den ersten Blick scheint die Auf- gabe einfach: Flaschen sammeln, rei- nigen, recyceln. Doch die Realität ist weitaus komplexer. In spezialisierten Recyclinganlagen werden die gesam- melten PET-Flaschen zunächst zerklei- nert und die entstehenden Flakes in heißen Wasserbädern gewaschen. Während leichte Etikettenreste auf- schwimmen und abgeschöpft werden können, bleiben viele herkömmliche Klebstoffe an den Flakes haften. Selbst im Standardverfahren mit hei- ßer Natronlauge, das zur Entfernung von Etikettenmaterial, Klebstoffresten und anderen Verunreinigungen aus PET eingesetzt wird, lösen sich her- kömmliche Hotmelts oft nur zu einem geringen Teil ab. Typische Entfer- nungsraten liegen zwischen 12 und 30 Prozent. Die Folgen dieser Rückstände sind gravierend: Sie verursachen Trübun- gen und Gelbverfärbungen, die die optische Qualität des neu aufbereite- ten PET-Materials mindern. Noch pro- blematischer wird es, wenn die Barriereeigenschaften durch verun- reinigte Flakes beeinträchtigt werden. Das stellt vor allem für Lebensmittel- verpackungen ein Problem dar, da die aus Gründen der Ressourcenscho- nung meist dünnwandigen PET-Fla- schen besonders anfällig für eine Schwächung der Barrierewirkung sind. Eine solche kann das Eindringen von Sauerstoff oder anderen Schad- stoffen begünstigen und damit die Le- bensmittelsicherheit gefährden. Für PET-Flaschen sind kontaminierte Flakes folglich nicht mehr geeignet. Al- lenfalls als Pullover, Blumentopf oder Paketumreifungsband können sie auf einen neuen Lebenszyklus hoffen. Die Anforderungen an moderne Klebstoffe sind hoch: Sie müssen nicht nur dafür sorgen, dass PET wirklich im Kreislauf bleibt, sondern auch mit den gängigen Etikettiertechniken kompati- bel sein. Eine Lösung stellen disper- gierbare Hotmelts dar. Das sind Klebstoffe, die sich in heißer Natron- lauge fast vollstän- dig auflösen oder in eine leicht ent- fernbare Form überführen lassen. So kann beispiels- weise der TECHNO- MELT EM 335 RE von Henkel Adhe- sive Technologies zu 98 Prozent rück- standslos entfernt werden. Speziell für die PET- Etikettie- rung entwickelt, sorgt seine Disper- gierbarkeit im heißen Natronlaugebad dafür, dass Klebereste zusammen mit dem Etikettenmaterial aus dem Mate- rialstrom abgeschieden werden. Damit unterstützt der TECHNOMELT EM 335 RE die Herstellung hochreiner PET-Fla- kes, die auch für die Produktion neuer Lebensmittelverpackungen geeignet sind. Neben der Recyclingfreundlichkeit bietet die Lösung weitere Vorteile: Der Hotmelt eignet sich sowohl für Papier- als auch für Kunststoffetiketten und kann auf Anlagen mit einer Ge- schwindigkeit von bis zu 40.000 Fla- schen pro Stunde verarbeitet werden. Die niedrige Verarbeitungstempera- tur von 110 bis 140 °C schont die Ma- schinen und senkt den Energie- verbrauch. Dank mineralölfreier For- mulierung und Lebensmittelkonfor- mität ist der Einsatz auch in sensiblen Anwendungen problemlos möglich. Die Handhabung wird zusätzlich durch die praktische Verpackung in sogenannten X-tra Chubbs erleichtert, die eine exakte und saubere Dosie- rung des Klebstoffs ermöglichen und durch die komplette Auflösung der Folie zur Verpackungsvermeidung beitragen. Die Recyclingfähigkeit von PET-Fla- schen entscheidet sich nicht erst beim Entsorger, sondern entlang der ge- samten Wertschöpfungskette: Bereits in der Herstellungskette – vom Roh- lingproduzenten über den Getränke- abfüller bis hin zum Einzelhandel – müssen die Weichen richtig gestellt werden. Die Entwicklung spezieller Rohmaterialien, geeigneter Etiketten und angepasster Klebstoffe entschei- det darüber, ob eine Flasche am Ende ihres Lebenszyklus für hochwertige Anwendungen wie Lebensmittelver- packungen nutzbar bleibt. Dispergierbare Klebstoffe leisten dabei einen entscheidenden Beitrag. Sie machen PET-Flaschen tatsächlich recyclinggerecht und damit fit für die Anforderungen der neuen EU-Verord- nung. Denn wer die ambitionierten Ziele der PPWR erfüllen will, braucht Lösungen, die nicht nur zuverlässig haften, sondern auch im richtigen Mo- ment loslassen.
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