Extrusion 1-2026
Extrusion 1/2026 Recycling 54 ► Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS www.iis.fraunhofer.de deutet dieses System einen Quanten- sprung in puncto Sicherheit”, sagt Jochen Ebbing, Ingenieur für Ver- fahrenstechnik bei Lobbe. “Die Tech- nologie erhöht die Sicherheit vor Brän- den erheblich und schützt gleichzeitig unsere Mitarbeiter und Anlagen.” Auch für das Fraunhofer IIS ist die Inbetriebnahme ein wichtiger Schritt: “Die Kombination aus Röntgentechnik und KI ermöglicht eine zuverlässige Erkennung von Akkus unter realen Bedingungen”, erläutert Gruppenlei- ter Johannes Leisner. “Durch kontinu- ierliches Nachtrainieren der KI gewinnt das System weiter an Ro- bustheit.” Gefahrenträger frühzeitig erken- nen, Brände vermeiden, Kreisläufe stärken: Mit DangerSort haben das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und die Lobbe Gruppe ein innovatives KI-Röntgen- sortiersystem entwickelt. Lithium- Ionen-Akkus werden im Verpackungs- abfall zuverlässig erkannt und auto- matisch ausgeschleust. Die gemein- sam entwickelte Technologie ist jetzt bei Lobbe in Iserlohn in Betrieb. Lithium-Ionen-Akkus zählen zu den größten Brandrisiken in Sortier- und Recyclinganlagen. Jährlich kommt es zu Tausenden von Bränden – ein Großteil davon ausgelöst durch un- sachmäßig entsorgte Akkus in Elek- trogeräten. Um Anlagen, Menschen und Infrastruktur deutlich besser zu schützen, haben das Fraunhofer IIS und Lobbe in den vergangenen drei Jahren das KI-gestützte Röntgensor- tiersystem DangerSort entwickelt und intensiv erprobt. Seit Kurzem läuft die Anlage bei Lobbe im Testbetrieb. Im Sortierpro- zess durchleuchtet eine Röntgen- quelle den vorbeilaufenden Ver- packungsabfall auf dem Hochge- schwindigkeitsband – ähnlich einer Gepäckkontrolle am Flughafen. Ein Detektor erfasst fortlaufend Röntgen- aufnahmen, die von einer speziell trai- nierten KI in Echtzeit analysiert werden. Erkennt das System einen verbauten oder verdeckten Akku, lösen Präzisionsdüsen in Millisekun- den Luftstöße aus, die das Objekt in einen separaten Behälter ausschleu- sen. So wird der Materialstrom zuver- lässig von Gefahrenträgern befreit, ohne den Durchsatz der Anlage zu be- einträchtigen. In Praxistests identifizierte Danger- Sort einen auffallend hohen Anteil falsch entsorgter Elektroaltgeräte und erreichte eine Ausbringungsrate von über 90 Prozent. Selbst größere Ener- giespeicher, wie Werkzeug-Akkus konnten zuverlässig separiert werden – Fehlauswürfe blieben die Aus- nahme. “Für uns als Anlagenbetreiber be- Innovative KI-Röntgensortierung entwickelt – Mehr Sicherheit in Recyclinganlagen DangerSort ist Teil des vom Bundes- ministerium für Forschung, Technolo- gie und Raumfahrt geförderten Projekts K3I-Cycling und im KI-Anwen- dungshub Kunststoffverpackungen verankert. In dem Bündnis arbeiten Partner aus Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft daran, KI für eine ef- fizientere und noch sicherere Kreis- laufwirtschaft nutzbar zu machen. Die Zusammenarbeit zwischen Fraunho- fer und Lobbe ermöglicht es, die Tech- nologie direkt im industriellen Umfeld zu evaluieren und weiterzuentwickeln. (© 2025 Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS) Flaschen nicht nur recyclinggerecht gestaltet sein, sondern auch schritt- weise höhere Rezyklatanteile enthal- ten. In der Praxis stehen diese Ziele jedoch auf wackeligen Füßen. Bleibt beispielsweise der Klebstoff unter dem Etikett am Material haften, wird das recycelte PET für Lebensmittelan- wendungen unbrauchbar. Die Lösung sind Klebstoffe, die sich im Recycling- prozess vollständig und rückstands- frei vom PET trennen lassen. Die PPWR schreibt ab 2025 einen PET ist im Alltag allgegenwärtig: als Rohstoffbasis für Kleidung, Haus- haltsgegenstände, technische Bau- teile – und für Flaschen, die rund 70 Prozent des weltweiten PET-Ver- brauchs ausmachen. Nahezu unbe- grenzt recycelbar, spielt das Material eine zentrale Rolle in der Kreislauf- wirtschaft. Dieses Potenzial soll in Zu- kunft noch stärker genutzt werden: Nach der neuen EU-Verpackungsver- ordnung Packaging & Packaging Waste Regulation (PPWR) sollen PET- Einmal Flasche, wieder Flasche
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