Extrusion 1-2018

„Wir brauchen einen zweiten Markt für Folienabfälle“ Welche Rolle spielt die Kreislaufwirtschaft für Brückner? Helmut Huber : Kreislaufwirtschaft wird immer wichtiger. Wir sehen daher auch unsere Gesamtverantwortung als Glied in der Kette. Kunststoff hat sich in den letzten 20 Jahren als sehr gu- ter Werkstoff erwiesen. Deshalb werden sich die Mengen in den nächsten 20 Jahren noch einmal erheblich vergrößern. Aber wir sehen auch, dass weltweit viele Kunststoffabfälle auf Deponien oder in Meeren landen. Es ist unbestritten, dass der Werkstoff Kunststoff wertvoll ist. Auf die vielen Vorteile, wie et- wa Gewichtsreduktionen oder die Verlängerung von Lebens- mittelhaltbarkeiten, will niemand verzichten. Kreislaufwirt- schaft kann zeigen, dass man die Vorteile von Kunststoffen nut- zen kann, ohne die Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Welchen Beitrag leistet Brückner für die Kreislaufwirt- schaft? Huber : Der Abfall unserer Anlagen wird sofort wieder regranu- liert und in die Verarbeitung zurückgegeben. 30 bis 40 Prozent werden in dem Prozess zum Homopolymer dazugegeben. In Summe können wir damit mehr in die Anlage wieder einspei- sen, als normale Produktions-Abfälle entstehen. Zusätzlich wer- den die Abfälle, die durch die Abtrennung der Randstreifen ent- stehen, sofort wieder in einer Randstreifenmühle zu Flakes zer- hackt, zurückgeblasen und direkt im sogenannten Mixer wieder dosiert. Wir nennen das Inline-Recycling. Wir nehmen auch an größeren Arbeitskreisen teil und engagie- ren uns dort in Sachen Kreislaufwirtschaft. Einer davon ist auf europäischer Ebene CEFLEX. Darin haben sich viele Unterneh- men aus der gesamten Wertschöpfungskette des Bereiches der flexiblen Verpackungen zusammengeschlossen, um Wege zu finden, die Kreislaufwirtschaft auch für Folien zu verbessern. In China gibt es beispielsweise einen zweiten Markt für Folienab- fälle. Die Leute holen sich den Abfall und verwenden ihn für an- dere Produkte, zum Beispiel Spritzguss-Produkte. Wir brauchen also vielleicht auch einen zweiten Markt für Folienabfälle. Gibt es technische Grenzen für den Einsatz von Rezykla- ten in der Folienproduktion? Huber : Ja, die gibt es. Wenn man den Anteil von 30 bis 40 Pro- zent an Rezyklaten überschreiten würde, dann können Schwie- rigkeiten im Prozess entstehen, etwa durch Unreinheiten. Sol- che Partikel können die Molekularstrukturen verändern. Das kann beim Recken der Folien zum Abriss führen. Wenn man Re- zyklat zuführen will, muss man die Qualität deshalb gut im Au- ge behalten. Kreislaufwirtschaft rückt bei Brückner stärker in den Vordergrund – Ein Interview mit Helmut Huber, Geschäftsführer von Brückner Maschinenbau 36 Recycling, Folienextrusion Extrusion 1/2018 Helmut Huber (Bilder: Brückner Maschinenbau) Kann dabei die Digitalisierung helfen? Huber : Sie könnte die Chargenverfolgung verbessern. Das ist heute noch schwierig. Es wäre aber wünschenswert, wenn man vorher schon sagen könnte, wie gut ein Regranulat ist. Grundsätzlich könnte Industrie 4.0 bei der Kreislaufwirtschaft nützlich sein. Dabei geht es ja immer um die prozessübergrei- fende Nutzung von Qualitätsdaten. Wenn wir uns nach allen Seiten vernetzen und neben den eigenen Anlagen auch noch die Weiterverarbeitungsmaschinen und die Regranuliermaschi- nen einbeziehen, dann könnte ich mir vorstellen, dass man ne- ben der besseren Kontrolle der Materialien auch eine weitere Typenreduktion erreichen kann. Wenn man die Qualitäten kennt, dann kann man eventuell noch weiter Dicke nach unten fahren. Werden die Folien denn immer noch dünner? Huber : Das hängt davon ab, was die Folie können soll. Es reicht von einem Monolayer, einem reinen Material, bis zu Ver- packungsfilmen, die dann durchaus schon aus drei bis fünf oder mehr Lagen bestehen. Multilayer brauchen wir immer dann, wenn man funktional andere Eigenschaften haben will. Je mehr Lagen es werden, desto mehr wollen wir uns mit dem

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